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PROMIS National Center Deutschland

Überblick

Das Ziel der PROMIS Initiative ist eine standardisierte Messung von sogenannten Patient-Reported Outcomes (PROs), d.h. Gesundheitsmerkmale, die durch die Patienten selbst berichtet werden. Dazu zählen zum Beispiel körperliche und psychische Symptome, Funktionseinschränkungen oder die soziale Teilhabe. Diese Endpunkte haben in den letzten Jahren in der medizinischen Forschung an Relevanz gewonnen und werden regelmäßig in Studien, aber auch im Rahmen von klinischer Diagnostik eingesetzt. Zum Beispiel ist in der Beurteilung eines patient:innenrelevanten medizinischen Nutzens Lebensqualität – nach Mortalität und Morbidität – seit vielen Jahren als dritter Endpunkt fest verankert.

PROs werden mit Patient-Reported Outcome Measures (PROMs, standardisierte Fragebögen) erhoben. Eine weitere Standardisierung dieser Instrumente ist notwendig, da in der Vergangenheit für viele verschiedene Anwendungsgebiete jeweils eigene Instrumente konzipiert und entwickelt wurden, die aber meist kaum vergleichbar sind und auch unterschiedliche Qualität haben. PROMIS stellt Wissenschaftler:innen und Kliniker:innen auf Basis moderner testtheoretischer Methoden vergleichbare und qualitativ hochwertige Instrumente zur Erhebung von PROs zur Verfügung.

Als PROMIS National Center vertreten wir PROMIS im deutschsprachigen Raum mit dem Ziel, die Nutzung von PROMIS Instrumenten als mess- und veränderbare Indikatoren der Lebensqualität zu fördern. Das PROMIS National Center distribuiert deutschsprachige PROMIS Instrumente in Deutschland, Österreich und der Schweiz und informiert, berät und unterstützt Forschungseinrichtungen, Kliniken und andere Organisationen beim Einsatz der PROMIS Instrumente.

 

Das PROMIS National Center wird gefördert vom Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIH)

Was ist PROMIS?

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PROMIS (Patient-Reported Outcomes Measurement Information System) ist ein modernes Messsystem zur Erfassung von Patient:innenperspektiven über Gesundheit und Lebensqualität. PROMIS umfasst über 300 Instrumente für die Erfassung körperlicher, geistiger und sozialer Gesundheit, die für die allgemeine Bevölkerung und für Menschen mit chronischen Erkrankungen verwendet werden können. Viele Instrumente sind auch in deutscher Sprache erhältlich.

Weitere Informationen

PROMIS stellt bereits fertig zusammengestellte Kurzfragebögen (Short Forms) und PROMIS Profiles zur Verfügung. Ein PROMIS Profile ist eine Kombination von PROMIS-Fragebögen, die die wichtigsten Aspekte der Gesundheit (Körperliche Funktionsfähigkeit, Beeinträchtigung durch Schmerzen, Fatigue, Schlafbeeinträchtigung, Angst, Depressivität und Fähigkeit zur sozialen Teilhabe) mit einem Instrument abdecken. Mehr Informationen zu PROMIS Profiles finden Sie hier .

Referenzwerte der deutschen Allgemeinbevölkerung für die PROMIS Profile Domänen Körperliche Funktionsfähigkeit, Beeinträchtigung durch Schmerzen, Fatigue, Schlafbeeinträchtigung, Angst, Depressivität und Fähigkeit zur sozialen Teilhabe können hier abgerufen werden.

Computer-Adaptive Tests (CATs) sind dynamische, computerbasierte Fragebögen, die sich während der Befragung individuell an das Ausprägungsniveau der zu testenden Person anpassen. Das bedeutet, dass jede Antwort dazu genutzt wird, die Schwierigkeit der nächsten Frage zu bestimmen, um so mit wenigen gezielten Fragen eine präzise und zuverlässige Einschätzung des Gesundheitszustands zu erhalten. Damit ermöglichen CATs eine effiziente, genaue und personalisierte Erfassung von patient:innenzentrierten Outcomes.

Ein zentrales Merkmal von PROMIS ist der Baukastencharakter, der es möglich macht für ein bestimmtes Studienvorhaben sowohl auf Domänen- als auch auf Itemebene maßgeschneiderte Erhebungsinstrumente zu entwickeln.

PROMIS umfasst eine breite Auswahl an Domänen aus den Bereichen körperlicher, psychischer und sozialer Gesundheit, die in verschiedenen Kontexten unterschiedlich relevant sein können und beliebig kombiniert werden können. Aus den Itembanken einer Domäne können zudem genau die Fragen auswählt werden, die für ihr jeweiliges Projekt oder ihre Forschung relevant sind, zum Beispiel um einen bestimmten Messbereich einzugrenzen, eine bestimmte Präzision zu erreichen oder besonders relevante Aspekte abzubilden. So kann ein individuell zusammengestellter Fragebogen entwickelt werden, der optimal zu Ihren Anforderungen passt.​

Im Folgenden finden Sie einige Beispiele, wie PROMIS eingesetzt werden kann.

Verwendung eines PROMIS Profiles in einem RCT (CONVINCE)

Die randomisierte CONVINCE-Studie (Rose et al. 2024) zeigte mit Hilfe des PROMIS-29 Profiles, dass Patient:innen unter Hämodiafiltration im Vergleich zu Hämodialyse einen langsameren Verlust von Lebensqualität erfahren. Hier wurde das PROMIS Profile 29 in verschiedenen Sprachen eingesetzt und mit Hilfe von Linear Mixed Models analysiert. Außerdem zeigt die Arbeit exemplarisch, wie Event-Daten (Survival) mit quantitativen Verlaufsdaten in einem Joint Model kombiniert werden können.

Verwendung des PROMIS Profiles in der Basisdiagnostik (GI-PS)

Im Rahmen des Projekts GI-PS wurde eine Basisdokumentation für den Einsatz in der stationären psychosomatischen Behandlung entwickelt, um eine erste Einschätzung des Gesundheitszustandes und eines psychosomatisch-psychotherapeutischen Behandlungsbedarfs erkennen zu können. Das PROMIS Profile 29 wird zur breiten Erfassung des patient:innenberichteten Gesundheitszustandes genutzt.

Die PROMIS Health Organization (PHO) ist eine internationale, gemeinnützige Organisation, die die Verbreitung und wissenschaftliche Weiterentwicklung von PROMIS vorantreibt. Die PHO unterstützt Forschende und Behandler:innen weltweit mit Schulungen, Ressourcen und einem großen Netzwerk, um die Anwendung von PROMIS zu fördern und die Patient:innenperspektive im Gesundheitswesen zu stärken.

HealthMeasures ist die offizielle Plattform, die PROMIS-Instrumente zusammen mit anderen Messsystemen bereitstellt und ihre Verbreitung in verschiedenen Formaten unterstützt.

Das deutsche PROMIS National Center (PNC) bildet die nationale Anlaufstelle für PROMIS in Deutschland. Es übersetzt, validiert und verbreitet die PROMIS-Instrumente und begleitet Anwenderinnen und Anwender im deutschsprachigen Raum.

Das PROMIS National Center Deutschland ist eine Einrichtung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Berliner Institutes für Gesundheitsforschung (BIH) und ist am Charité Center for Patient-Centered Outcomes Research (CPCOR) angesiedelt.

Das PNC Deutschland ist verantwortlich für die Übersetzung, Distribution und Validierung der PROMIS-Instrumente im deutschsprachigen Raum. Das PNC Deutschland wird geleitet von Felix Fischer und Matthias Rose. Claudia Weber ist die Koordinatorin des PNC Deutschland.

  • Information und Beratung zu PROMIS Instrumenten
  • Distribution der deutschsprachigen Instrumente (Informationen über die Kosten für die Nutzung von PROMIS finden Sie hier)
  • Übersetzung der PROMIS-Instrumente in deutsche Sprache
  • Entwicklung und Bereitstellung deutscher Normdaten
  • Unterstützung bei Studienplanung, Implementierung und Auswertung. Scoring Manuals beschreiben, wie einzelne PROMIS Instrumente ausgewertet werden. Scoring Manuals finden Sie hier.
  • Schulungen, Workshops und Austauschformate
  • Technische Unterstützung (z.B. Integration in REDCap)
  • PROMIS Sprechstunde immer Mittwochs 14 Uhr. Buchen Sie hier einen Termin.
  • Bei Fragen können Sie uns jederzeit auch unter promis-germany(at)charite.de kontaktieren.

Verfügbare PROMIS Instrumente in deutscher Sprache

Viele PROMIS Instrumente sind bereits in deutscher Übersetzung verfügbar und können in Forschung und Praxis eingesetzt werden.

Eine Liste mit verfügbaren deutschsprachigen Instrumenten finden Sie hier.

Falls Sie ein Instrument benötigen, das bisher noch nicht übersetzt wurde, können Sie uns gerne eine Anfrage per E-Mail an promis-germany(at)charite.de schicken.

 

Übersetzungsprozess von PROMIS-Instrumenten

Das PROMIS National Center Deutschland koordiniert und begleitet den Übersetzungsprozess von PROMIS-Instrumenten für den deutschsprachigen Raum. 
Die Übersetzung von PROMIS-Fragebögen in andere Sprachen folgt einem international standardisierten Verfahren, das sprachliche Genauigkeit, kulturelle Anpassung und inhaltliche Vergleichbarkeit sicherstellt. Nur so können Ergebnisse aus unterschiedlichen Ländern und Bevölkerungsgruppen zuverlässig verglichen werden.

Die Übersetzungen folgen den offiziellen PROMIS Übersetzungsrichtlinien sowie Standards der ISPOR Task Force zur sprachlichen und kulturellen Validierung von patientenberichteten Outcomes. Durch diesen Prozess entstehen Instrumente, die wissenschaftlich vergleichbar und klinisch einsetzbar sind – weltweit.

 

Ablauf des Übersetzungsprozess:

  1. Vorwärtsübersetzung: Zwei unabhängige Übersetzer:innen übertragen den Originaltext in die Zielsprache.
  2. Konsolidierung: Die Übersetzungen werden zu einer gemeinsamen Fassung zusammengeführt.
  3. Rückübersetzung:  Ein:e Muttersprachler:in führt die Rückübersetzung durch, ohne das Original zu kennen, und gibt den Wortlaut der Zielsprachenfassung präzise wieder.
  4. Expert:innenreview: Drei Expert:innen der Zielsprache prüfen unabhängig alle bisherigen Übersetzungen und wählen die beste aus oder schlagen bei Bedarf Alternativen vor.
  5. Kognitive Interviews: Verständlichkeit und Alltagstauglichkeit werden mit Patientinnen, Patienten und Personen der Allgemeinbevölkerung geprüft.
  6. Finalisierung: Nach Anpassungen wird die endgültige Version freigegeben und dokumentiert.

Methodik

In PROMIS wurde eine Vielzahl von Instrumenten und Itembanken entwickelt, die PROs – wie z.B. “körperliche Funktionsfähigkeit”, “Depressivität” oder “soziale Funktionsfähigkeit“ – standardisiert erfasst. Bei allen Dimensionen geht es um die subjektiv empfunden Einschränkungen durch Krankheit(en). Mit Hilfe der PROMIS-Messinstrumente können zum Beispiel Behandlungs- und Therapieverfahren hinsichtlich ihrer Wirksamkeit analysiert werden.

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